Graf und Nonne
- Ich stand auf hohem Berge,
sah nunter ins tiefe Tal.
Ein Schifflein sah ich schweben,
darin drei Grafen war’n.
- Der j�ngste von den Grafen,
der in dem Schifflein sa�,
gab mir einmal zu trinken
aus seinem venedischen Glas.
Ach, M�dchen, du w�rst sch�n genug,
w�rst du nur ein wenig reich;
f�rwahr, ich wollt’ dich nehmen,
w�r’n wir einander gleich.
- Er zog von seinem Finger
ein goldenes Ringelein:
Nimm hin, du H�bsche, Feine,
das soll dein Denkmal sein!
Was soll ich mit dem Ringe,
den ich nicht tragen kann?
Ich bin ein armes M�dchen,
das stehet mir nicht an.
- Und weil ich ja nicht reich bin,
wie es dem Herren frommt,
werd ich die Zeit erwarten,
bis Meinesgleichen kommt.
Wenn Deinesgleichen nun nicht kommt,
was willst du fangen an?
Dann geh’ ich in ein Kloster,
will werden eine Nonn’.
- Es stund wohl an ein Vierteljahr,
dem Grafen tr�umt’ es schwer,
dass sein herzallerliebster Schatz
ins Kloster ’gangen w�r’.
- Steh auf, mein Knecht, und tummle dich,
sattle mir und dir ein Pferd;
wir wollen reiten Tag und Nacht,
der Weg ist des Reitens wert.
- Und als der Graf geritten kam
wohl vor des Klosters T�r,
fragt er nach seiner Liebsten,
ob sie darinnen w�r’.
- Sie kam heraus geschritten
in einem schneewei�en Kleid;
ihr Haar war abgeschnitten,
zur Nonn’ war sie bereit.
- Sie kam mit einem Becher,
den sie dem Ritter bot;
er trank, und ein paar Stunden
danach war er schon tot.
Volkslied, urspr�nglich wohl aus den Niederlanden, 15. Jhd.
Textfassung nach Heide Buhmann / Hanspeter Haeseler in Das kleine dicke Liederbuch
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